Dazwischen ist ein Ort


Mai 2026

Wie oft sprechen wir über Übergänge, als wären sie nur kurze Strecken zwischen zwei klaren Zuständen.

Ein davor und ein danach.

Als müssten wir nur hindurch.

Möglichst schnell, möglichst ohne Widerstand.

Doch manche Zustände lassen sich nicht einfach überspringen.

Sie dehnen sich aus.

Über Tage.

Wochen.

Monate.

Und irgendwann merken wir, das Dazwischen ist kein Leerraum.

Es ist ein eigener Ort.

Ein Ort, an dem alte Identitäten brüchig werden.

An dem man nicht mehr ganz dort ist, wo man einmal war aber auch noch nicht dort, wohin man sich innerlich bewegt.

Zwischenräume können unbequem sein.

Weil Eindeutigkeit fehlt.

Weil Orientierung fehlt.

Weil man sich selbst nicht mehr so greifen kann, wie einst.

Wahrscheinlich versuchen wir deshalb so oft, das Dazwischen zu schließen.

Durch Erklärungen.

Entscheidungen.

Durch Analysen.

Optimierung.

Und Beschleunigung.

Doch Manches zeigt sich erst, wenn nichts sofort gelöst wird.

Wenn man bleibt, anstatt zu gehen.

Wenn man langsamer wird, statt schneller.

Wenn man beginnt wahrzunehmen, statt sofort zu reagieren.

Ich glaube, dass genau dort etwas entsteht.

Nicht trotz des Zwischenraums.

Sondern in ihm.